
Ich sollte ein weniger öfter einen Eintrag schreiben, der Nachteil ist nämlich, dass wenn man immer über eine Woche wartet, man viel zu viel zu berichten hat. Nun gut.... wo fange ich an? Nachdem Chris letzte Woche wieder gefahren ist hat Inga ab Donnerstag Besuch von Julia aus Bonn bekommen. Freitag Abend sind wir alle zusammen nach Grünerløkka gefahren um im Fru Hagen etwas trinken zu gehen, nur leider war dort alles so überfüllt, dass wir am Ende doch in einem anderen Stadtteil von Oslo gelandet sind. Habe überrascht auf der Speisekarte eine Pizza für „nur“ 60 Kronen gefunden und sie natürlich sofort mit knurrendem Magen bestellt, um dann festzustellen, dass sie so groß war wie eine Untertasse... aber geschmeckt hat sie dennoch! ;) Samstag habe ich dann meinen ersten Patienten untersucht, zusammen mit Nils Christian, einem norwegischen Kommilitonen von mir. Hatte auch alles so gut gekappt, dass ich mir vorgenommen hatte, den nächsten Patienten ohne Hilfe zu untersuchen. Am Abend sind wir dann mit einer größeren Gruppe in die Stadt gezogen und sind in einen Club gegangen, der, man glaubt es kaum, nicht mal Eintritt gekostet hat. Die Musik war allerdings ein wenig träge und die männlichen Norweger sehr interessiert an den Mädels aus unserer Gruppe, so dass ich hin und wieder als Alibi-Freund eingesprungen bin, um allzu aufdringliche Norweger wieder zu verscheuchen.

Sonntag war dann mein Aufräum-Wasch-und Journal-Schreibtag, bevor ich am Abend für meine WG gekocht habe. Scheinbar hat es auch geschmeckt, da sie wissen wollten, wo ich denn so gut kochen gelernt hätte und ich gestehen musste, dass ich erst in Norwegen damit angefangen habe... vielleicht habe ich ja doch das Talent von meinem Vater geerbt. Allerdings war ich an dem Abend ein wenig müde und die Gespräche drehten sich hauptsächlich um Literatur und osteuropäische Geschichte, so dass ich mein Kommunikationstalent nicht ganz so gut unter beweis stellen konnte. Nun ja... vielleicht kocht demnächst mal eine der Mädels für die WG. Montag Abend waren Inga, Julia und ich dann auf eine Hamburger-Party bei Mareike eingeladen.... seeeeeeehr lecker. Manche Fleischstücke vom Grill waren zwar innen noch ein wenig rosa aber ich habe mir gekonnt die durchgebratenen Stücke herausgefischt und mir mit Simone wahre Hamburger-Türme gebaut, die recht schwer zu handhaben waren! :-D Musste leider recht früh gehen, da am Dienstag mein „Horror-Tag“ auf dem Plan stand. Ich glaube, das war der Universitäts-intensivste Tag den ich hier hatte und haben werde. Morgens früh ging es mit einem Anästhesie-Praktikum los, in dem ich bei sage und schreibe 7 Abtreibungen dabei war, während ich die Patienten entweder per Maske beatmet habe oder ihr die Narkotika gespritzt habe.... das war schon ein Erlebnis. Danach ging es dann mit diversen weiteren Praktika weiter, PBL und zum krönenden Abschluss dann noch die drei Stunden Norwegischkurs. Dafür gab´s am Abend dann aber auch leckere Garnelen bei Inga und Julia, mit jeder Menge Knoblauch... herrlich! Mittwoch wollte ich dann, das Erfolgserlebnis vom Samstag im Hinterkopf, meinen zweiten Patienten untersuchen, diesmal allein. Leider war der Patient nur nicht ganz so geduldig mit meinen Sprachproblemen, so dass ich zwar seine Krankengeschichte aufnehmen konnte, er danach aber die Untersuchung verweigert hat und auch nicht wollte, dass ich später oder an einem anderen Tag nochmal zurück komme. Nun ja... es kann nicht immer alles glatt laufen, und nachdem ich mich aus Frust mit einer großen Portion Pommes mit jeder Menge Majo von der Dönerbude vollgestopft hatte, gings mir auch wieder besser. Als ich mich am Abend mit Kakao und Schokolade ins Bett gepackt hatte um unsere Lektüre „Et dukkehjem“ von Ibsen für den Norwegischkurs zu lesen, war ich sogar wieder richtig gut gelaunt. Donnerstag war dann das zweite Anästhesie-Praktikum, diesmal im Zentral-OP, wo ich mich an einer Intubation versucht habe, was mir allerdings nicht ganz so gut gelungen ist... jeder fängt schließlich mal klein an. Danach habe ich die Pause zur nächsten Veranstaltung genutzt um meine misslungene Patientenuntersuchung vom Vortag an einem anderen Patienten zu wiederholen und wer sagt´s, diesmal hat es auch allein sehr gut geklappt, was aber vielleicht auch daran lag, das der Patient selber Ausländer war und unser Norwegisch quasi gleich schlecht! ;-D

Der Tag war allerdings wieder recht anstrengend gewesen, hatte ja auch wieder meinen geliebten Norwegischkurs, so dass mich am Abend kurz ausruhen wollte und mal eine halbe Stunde schlafen, bevor ich mein Journal schreiben wollte. Das Ergebnis davon war allerdings, dass ich den Wecker gekonnt überschlafen und bis zum nächsten Morgen in meinen Anziehsachen durchgeschlafen habe.... dafür war ich dann aber auch seeehr ausgeruht. Freitag Mittag ging dann nämlich unsere Wandertour mit anschließendem „Sleep in the woods“ los. Organisiert war der Kurztrip von der Universität für alle internationalen Studenten, und neben Inga und mir waren auch noch die beiden Schottinnen Charlotte und Camilla aus unserem Norwegischkurs mit von der Partie, nebst einer Menge anderer natürlich. Leider leider leider hat es an dem Tag angefangen zu regnen, so dass wir nach dem dreistündigen Marsch durch den Wald ein wenig durchnässt an der Hütte ankamen, aber dafür habe ich mich gut mit einer Dänin über „gender studies“ unterhalten (Grüße an Wiebke, dank dir konnte ich sogar interessante Dinge beisteuern!). Die Hütte war allerdings nicht nur ein kleines Holzhäuschen sondern schon eher eine Jugendherberge, mit einer Sauna und einem großen Gemeinschaftsraum. Dort haben wir dann den Rest des Tages mit Kartenspielen, Blackstories raten, Kartentricks bestaunen und natürlich leckerem Essen verbracht. Der Rückweg am nächsten Tag war dann auch nicht ganz so nass wie am Vortag, aber ich war dann doch froh, als ich endlich wieder in meinem trockenen Zimmer war und eine heiße Dusche nehmen konnte. Am Abend habe ich dann auch endlich meine Journale fertig geschrieben, die ich ja eigentlich schon am Donnerstag schreiben wollte. Nun denn.... da bin ich auch schon wieder am heutigen Tag angekommen, Sonntag, 5.Oktober 2008. Und was heißt das? Genau, morgen ist mein Geburtstag! Juchuuuuu! Morgen kommen dann meine Eltern und ich darf endlich die beiden Geschenke auspacken, die Chris hiergelassen hat.... ich freu mich ja so!
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