Samstag, 24. Januar 2009

København


So, neues Jahr, neues Glück! Nach zwei wunderbaren Wochen Zuhause mit einem gemütlichen Weihnachtsfest, einer Reise nach Hamburg und einer explosiven Silvesterparty bin ich am 4.1 wieder nach Oslo zurückgefahren. Die ersten 10 Tage waren aber mehr als unspektakulär, da Inga und ich nichts anderes getan haben als zu lernen, lernen, lernen, essen, lernen, lernen und lernen. Die einzige Ablenkung am Tag war das Mittagessen, Punkt 1, entweder bei Inga oder bei mir.
Nun denn, der große Tag kam und wir haben uns der Medizin-Prüfung fürs fünfte Semester in Oslo gestellt. Nach fünf Stunden Schreibarbeit mit einigem Haareraufen zwischendurch war es dann auch schon vorbei und gefühlsmäßig „ganz okay“ gelaufen, aber die Ergebnisse gibt es erst in einer Woche, es heißt also weiter Daumen drücken!!! Danach hat man sich erstmal ein wenig gehen lassen, hat sich Bücher gekauft, Langlauf-Ski geliehen, neue Studentenausweise anfertigen lassen, bei IKEA Pflanzen „geshoppt“ und Fleischbällchen gegessen, gemeinsam gekocht, mit Österreichern Siedler von Catan gespielt, Schlitten gefahren und den guten Vorsätzen gemäß auch schon fleißig Sport getrieben (gehe jetzt regelmäßig im Domus athletica schwimmen *auf die eigene Schulter klopf*). Ein wenig getrübt wurde die Stimmung von den vielen Erasmus-Studenten, die uns bereits nach diesem Semester verlassen, so dass es schon die ein oder andere Abschiedsfeier gab, bei denen man versuchte, die Trauer mit Alkohol zu betäuben! *grins* Aber zum Glück bleiben auch eine ganze Reihe netter Leute in Oslo!!! Nach einer kleinen Spiel-Spaß-und-jede-Menge-Pizza-Party in meiner Wohnung am Mittwoch Abend ging es dann Donnerstag früh auf zu unserem Kurztrip nach Kopenhagen (København), zusammen mit Inga und Charlotte. Das Flugzeug braucht von Oslo nur eine Stunde bis Kopenhagen, so dass wir bereits vormittags in dieser Metropole des Nordens angekommen sind. Dass sich Norweger und Dänen trotz der fast identischen Schriftsprache nicht wirklich unterhalten können, merkten wir dann auch schon recht schnell, nachdem uns ein Flughafenangestellter versucht hatte zu erklären, mit wievielen Klips man auf einer Klipkarte mit wievielen Leute wie lange und wie weit fahren kann.....???? Der Schaffner, der uns daraufhin in der Bahn kontrollierte plapperte auch nur unverständliche Wortfetzen vor sich hin, schüttelte den Kopf, schnatterte weiter und gab uns schließlich das Ticket zurück und ging.... ich habe immer noch keine Ahnung, ob wir alles richtig gemacht haben.... alles sehr verwirrend!!! :-D Aber dafür war die Metro sehr modern und fuhr sogar ganz ohne einen Fahrer, sodass wir ganz vorne hinter der Scheibe sitzen konnten und sogar ein gewisses Achterbahn-Gefühl aufkam *yieehaa*!!! Erste Aufgabe war dann, in dieser unbekannten Stadt unser Hostel zu finden um unsere Rucksäcke abzuladen, so dass ich mir zunächst einmal eine todschicke wetterfeste Plastik-Karte von Kopenhagen gekauft habe, mit der ich dann unsere kleine Gruppe sicher zum Hostel führen konnte! ;-) Dieses war leider nicht ganz so todschick, dafür aber zentral und preiswert! (empfangen wurde wir mit dem Geruch von Männerschweiß, da einer unserer Zimmernachbarn um 12 Uhr immer noch in seinem Bett lag) Nun denn, schnell die Rucksäcke aufs Bett geworfen und schnell wieder raus ins leider etwas kalte und windige Kopenhagen.... was nun? Da wir ja noch jung und unverbraucht sind entschieden wir uns für eine Extrem-Sightseeing-Wandertour durch Kopenhagen, begonnen bei der Christiansburg, vorbei an der Börse, entlang einer Beton-Kunst-Garten-Anlage hinauf zur Amalienburg und noch weiter bis zum Kastellet, einer alten sternförmigen Festungsanlage mit Wassergraben im Norden von Koppenhagen. Diese durchquert kamen wir dann zu DER Sehenswürdigkeit von Kopenhagen, der kleinen(!) Meerjungfrau, die auf einem Stein sitzend verträumt aufs Meer hinausblickt. Für Charlotte ein sehr ergreifender Augenblick, da sie als Kind oft das Märchen gehört hatte, für mich dagegen nur noch eine von sehr vielen Steinfiguren in Kopenhagen! ;) So weit im Norden der Stadt mussten wir dann wieder die Südreise antreten, diesmal durch die großen Parks der Stadt mit einem kleinen Abstecher ins Palmenhaus, in dem Inga und Charlotte zunächst einmal die Brillen beschlugen! :-D Die Beine schwer vom weiten Marsch sind wir dann in ein „Café-im-Buchladen“ eingekehrt (eine Idee, die in Kopenhagen weit verbreitet ist) und haben gemütlich ein warmes Getränk geschlürft. Die Toiletten hatten dort allerdings Milchglastüren, eine Tatsache, die den dortigen Besuch weniger gemütlich gestaltete!!! Danach ging es hinauf auf den runden Turm von Kopenhagen, von dem aus man eine etwas neblige Aussicht über die Stadt hatten, dennoch konnten wir so manchen Freudessprung nicht unterdrücken! ;-)Der Turm besitzt übrigens keine Treppen sondern eine spiralförmige Rampe, da anscheinend einer der vielen Christians bzw. Frederiks von Kopenhagen den Turm hinaufreiten wollte (was wir natürlich gleich nachgestellt haben). Nach dem Probesitzen auf einer alten Latrine und dem Besuch einer Christiania-Ausstellung im Turm ging es dann auch wieder hinab und zum nächsten Highlight der Stadt – dem MUSEUM EROTICA. Dort gab es riesige Phallussymbole zum anbeten, Informationen über das Sexleben großer Berühmtheiten und einen mit vielen Bildern unterlegten Durchmarsch durch die Geschichte der Masturbation, Prostitution, Pornografie. Nach so viel Sex konnte ich eine gewisse Ermüdung nicht verleugnen, so dass wir uns eine Ladung „fish&chips“ in einem Irish Pub genehmigten. Danach ging es noch mal kurz zurück ins Hostel (in dem man inzwischen wieder atmen konnte) und dann zum Abschluss des Tages ins Studenterhuset zu einer Runde Tuborg-Bier bei Country-Live-Musik. Der nächste Tag begann dann mit einer kleinen Tour rund um den Tivoli (der leider im Winter geschlossen ist), vorbei am Bahnhof, der Carlsberg Glyptotek (was immer das ist) und dem Rathaus. Alle diese Gebäude sind seeeehr groß und ehrwürdig und zeigen, das Kopenhagen seinen Namen als Metropole des Nordens ganz zurecht verdient hat. Auch das Nationalmuseum hatte Ausmaßen, die es einem ermöglicht hätten, einen ganzen Tag dort zu verbringen, wir haben uns jedoch nach einer Ausstellung dazu entschieden, das Tageslicht auszunutzen um uns denjenigen Stadtteil anzusehen, auf den ich mich persönlich am meisten gefreut habe – Christiania. Diese Freistadt in der Stadt wurde 1971 gegründet, wurde 2008 von Kopenhagen zurückerobert und strahlt dennoch noch den Geist der Gründer aus – bunte besprayte Häuser, Klamottentausch-Plätze, Hanf-Märkte, Feuer in Mülltonnen, fantasievolle Töpferarbeiten und Regenbogen-Flaggen gaben einem das Gefühl, plötzlich nicht mehr in Kopenhagen zu sein und es was natürlich klar, dass in dem Café, in dem wir einkehrten, kein Gebrauch von einem Rauch-Verbot gemacht wurde! ;-D Leider durfte auf der Pusher-Street nicht fotografiert werden, sodass diese Bilder nur in meinem Gedächtnis abgespeichert sind! ;-) Nach diesem, meinem persönlichen Highlight gingen uns dann so langsam die Ideen aus, was man in der Stadt noch machen konnte, da der Wind immer noch eisig durch die Straßen zog. Daher wurde erstmal ein echter dänischer Hotdog verzehrt und dann zur Nationalgalerie marschiert, die allerdings schon 30 min nach unserem Eintreffen geschlossen hat, so dass wir die letzten Stunden in einem netten Bücher-Café verbrachten, bevor es dann wieder mit der Metro (mit 5 Klips!) zurück zum Flughafen und dann wieder nach Oslo ging. Lange schlafen konnte ich heute allerdings nicht, da um 12 schon mein Onkel und meine Tante plus ihrer Mutter mich für eine kleine Ski-Tour abholten. Im Gegensatz zu Kopenhagen versinkt Oslo nämlich momentan förmlich im Schnee und in den Bergen rund um die Stadt sinkt man ohne Ski schon bist zur Hüfte ein! Habe mich bei meinem ersten Versuch auch gar nicht so dumm angestellt, bin nur ein paar mal vornüber gefallen, nachdem sich meine Ski ganz ohne jeden Grund überkreuzten!!! ;-) Am Wendepunkt der Tour hat mein Onkel dann ein kleines Feuer im Schnee entzündet, über dem wir dann unsere typisch norwegischen „Würstchen in Lompe“ gebraten haben und welches sich mit der Zeit immer weiter in den Schnee schmolz! Jetzt sitze ich wieder warm eingepackt in meinem Zimmer, esse Süßigkeiten aus dem großen Care-Paket, das meine Eltern mir geschickt haben und bin voller Vorfreude auf das nächste Semester, das am Montag beginnt. Ein so gut begonnenes Jahr kann einfach nur gut weitergehen!

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