
Ohjeje, das hat man davon, wenn man zu faul ist, regelmäßig seinen Blogg zu schreiben, jetzt ist in den letzten drei Wochen so viel passiert, dass ich gar nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll.

Nachdem wir wieder aus Kopenhagen zurück waren, gab es am Samstag zunächst noch eine kleine Geburtstagsfeier von Kathrin, die ebenfalls aus Bonn kommt und hier ein Tertial ihres PJs macht. War zwar ein wenig ko vom Skifahren, habe mich aber gut mit einer norwegischen Theologie-Studentin unterhalten, Inga hat dagegen etwas aufgeweckter mit einem netten Norweger kommuniziert. Am Montag fing dann die Uni wieder an. Habe leider eine neue PBL-Gruppe dieses Semester bekommen, die mit meiner alten nicht ganz mithalten kann. Die Leute sind zwar ganz nett, aber noch schweigsamer als der Durchschnittsnorweger! ;-) Als Semesterbegrüßungsgeschenk durfte unsere Gruppe dann auch direkt eine Psoriasis-Präsentation bis zum folgenden Freitag ausarbeiten.... das war´s dann mit dem Faulenzen! Nun denn, in der Woche gab es erst noch eine Begrüßungsfeier im Domus Media für alle neuen internationalen Medizin-Studenten, wie im Vorjahr mit kostenloser Pizza und Getränken, da durfte ich nicht fehlen.

Nach der ersten Uni-Woche, in der ich tatsächlich brav zu allen(!!!) Vorlesungen gegangen bin, stand dann am Freitag unser kleiner Vortrag über Psoriasis an, in dem ich meinen Kommilitonen ein kleines Psoriasis-Bilderrätsel aufgegeben habe. Kam anscheinend auch gar nicht so schlecht an, da ich danach doch tatsächlich von einem mir bisher unbekannten Norweger aus meinem Semester zu einem Vorspiel am Abend eingeladen wurde, da das große Semesterstartfest auf dem Plan stand – Wahnsinn, eingeladen bei einem Norweger! Das habe ich dann natürlich auch direkt genutzt! War jedoch ein wenig ernüchternd - im wörtlichen Sinne da nicht viel Alkohol getrunken wurde und zum anderen, da wir nur vier Leute waren, dafür konnte man sich aber recht gut unterhalten. Den niedrigen Alkoholspiegel haben ich dann auf dem Semesterstartfest versucht wieder aufzuholen, da alle anderen Erasmusstudenten auf ihrem eigenen Vorspiel gut vorgelegt hatten, so dass ich gleich zu Anfang von wilden Umarmungen begrüßt wurde! ;-) Nach der Party (um 2 gingen schon die Lichter an) ging es dann noch zu einem Nachspiel-Nudeln-Essen zu Charlotte in die Wohnung, die inzwischen zu uns ins Haus gezogen ist, seeeehr praktisch.

Am Samstagabend gab es dann ein kleines Abschiedsessen für Emil, der letzte der „alten“ Australier, auf dem ich witzigerweiße ein paar Leute aus Lausanne getroffen haben, die Michaela kannte, so dass ich gleich mal ein paar Grüße ausgerichtet habe (mal sehen, ob die ankommen). Sebastian hatte lecker gekocht und zog zum Höhepunkt des Abends seine Original-Lederhose an, quasi als Abschiedsgeschenk für Emil. Sonntag hieß es dann Abschied nehmen von Emil, den wir noch alle zusammen mit Sebastians Auto nach Gardermoen gefahren haben – aber ich habe ihm Versprochen, 2011 nach Melbourne zu kommen um ihn zu besuchen!

Auf dem Rückweg haben wir dann noch einen kleinen Abstecher zum Ahus-Krankenhaus gemacht, das modernste in ganz Norwegen, mit kleinen Robotern, die die Essenswagen durchs Haus fahren, einem langen Glasgang, der eher an einen Flughafen erinnerte, und lustigen Gummireifen-Tischen! Die zweite Woche begann dann mit unserem neuen Sprachkurs, den wir wider Erwarten dann noch noch bekommen habe, obwohl wir uns schon gefreut hatten, dieses Jahr weniger Uni zu haben. Aber der Lehrer ist ganz witzig und vielleicht lernen wir ja noch das ein oder andere. Zusätzlich zu meinem geistigen Training versuche ich dieses Semester auch mal meinen Körper ein wenig zu fordern, versuche zwei mal die Woche schwimmen zu gehen und habe mich mit Charlotte für zwei Tanzkurse angemeldet, Rock Step Swing und L.A.Salsa, die in der zweiten Semesterwoche angefangen haben. Ist ganz witzig, auch wenn ich nicht so viel zusammen mit Charlotte tanzen kann, da die Tanzlehrer wie versessen darauf sind, bei jedem Lied den Partner zu wechseln!

Den ersten Salsa-Kurs haben wir aber verpasst, da statt dessen ein Schottisches Haggis-Essen auf dem Plan stand. Eigentlich handelt es sich dabei um einen Schafsmagen... aber ich war sehr dankbar, dass Rosie uns stattdessen die vegetarische Variante angeboten hat, die sehr vorzüglich geschmeckt hat (auch wenn alles braun war, was aber typisch für die schottische Küche ist). Nach der zweiten Uni-Woche, in der ich ebenfalls alle (!!!) Vorlesungen besucht habe (ich bin ja so stolz auf mich), bin ich dann am Freitag auf ein Opernkonzert gegangen. Hatte in der Woche vorher einen Norweger kennen gelernt, der an der Musikhochschule in Oslo Operngesang studiert und das Konzert war quasi ein Semesterprojekt! Veranstaltet wurde es zwar nicht in der neuen Oper von Oslo, dafür war ich von meiner ersten Opernerfahrung dennoch positiv überrascht.

Am Wochenende stand dann unser Langlauf-Skikurs auf dem Plan. Zusammen mit Charlotte und Inga bin ich zu Sognsvann gestapft, wo wir dann mit einer Gruppe von mindestens 30 Erasmusstudenten die Kunst des Langlauf-Ski näher gebracht bekamen. Nach anfänglichen reihenweisen Stürzen in den Schnee ging es nach den vier Stunden auch ein wenig besser, aber das stapfen durch ½ Meter Neuschnee sorgte am nächsten Morgen für ganz schön Muskelkater, so dass ich den Skikurs am Sonntag eigenmächtig auf 2 Stunden verkürzt habe. Sonntag Nachmittag gab es dann auch ein kleines Après-Ski-Waffelessen bei Inga, womit die zweite Uniwoche dann auch ihr Ende nahm.

Die letzte Woche habe ich dann meinen Norwegisch-Kurs geschwänzt, aber mit gutem Grund, erstens hatte ich meine Hausaufgaben nicht gemacht (ups) und zweitens hatte ich MSO-Basisgruppe. Habe vor, dieses Semester bei MedisinerSeksualOpplysning zu arbeiten, der Sexualaufklärung durch Medizinstudenten an Schulen, und bevor man auf Schüler losgelassen wird, müssen alle einen Basiskurs durchmachen, in dem man lernt, wie und was man vermitteln soll. Die ersten beiden Basisgruppen am Montag und Donnerstag waren schon mal sehr interessant und lustig, ich denke, dass ich dabei eine Menge Spaß haben und viel lernen werden. Mittwochs bin ich dann mit einem russischen Journalisten (was man alles für interessante Menschen hier kennen lernt) ins Blå zu einem Akustik-Schlagzeug-Konzert gegangen, das ein wenig gewöhnungsbedürftig war.

Ab und zu wurde einfach nur mit alten Teelichtern geraschelt und wenig später lautstark Gläser zertrümmert – was man nicht alles als Kunst verkaufen kann! Am Donnerstag gab es dann mal wieder umsonst Pizza (wie ich den Semesterstart liebe)! Wir waren alle zum internationalen Treffen eingeladen, auf dem wir die norwegischen Medizinstudenten über unsere Heimatländer informieren sollten. Wie letztes Semester waren alle eigentlich nur an Australien interessiert, aber dafür war die Pizza lecker, und ich habe so viel davon gegessen, dass mir danach ganz schlecht war (aber ich habe Geld gespart!). Freitag Abend waren Inga und ich auf den Geburtstag von Thomas eingeladen, der Mitbewohner von Inga. Alle sollten Tapas mitbringen, sodass wir vorher noch kunstvolle Bruschetta hergerichtet haben, die aber nur die Hälfte der Zutaten enthalten haben, die im Rezept standen (haben aber trotzdem geschmeckt). Gefeiert wurde im Fest-Keller drei Häuser weiter, der ganz im romantischen „uralt-norwegisch-Stil“ gehalten ist.

Zuerst wurde gegessen, zusammen an einer langen Tafel, und danach wurde in einem zweiten Raum Salsa getanzt. Inga war der Abend etwas zu altmodisch, ich fand es ganz okay, aber auch nur, weil ich so gerne esse und tanze! :-D Gestern hatte ich dann einen sehr schönen Tag. Zunächst stand mal wieder der Skikurs auf dem Plan und diesmal sind wir nicht nur im Kreis gelaufen, wie am ersten Wochenende, sondern diesmal ging es rauf nach Ullevålseter, einer an Sonntagen menschenüberfüllten Hütte in den Bergen. Das Geradeaus und Bergrauf klappte auch perfekt, nur das Bergab bereitet noch so einige Schwierigkeiten und ich habe mich das ein oder andere mal (oder eher noch ein paar mal mehr) kunstvoll auf die Nase gelegt, so dass ich nachher aussah wie ein Schneemann (und genauso nass war).

Nach einer schönen warmen Dusche bin ich dann in die Stadt gefahren und habe mich mit Markus aus Südtirol getroffen, Erasmusstudent in Ås, und wir haben uns zusammen „Den fantastiske historien om Benjamin Button“ angeschaut, der zwar mit seinen 3 Stunden ordentlich Überlänge hatte, dafür aber auch ganz nach meinem Geschmack war. Danach haben wir dem Elsker einen Besuch abgestattet, in dem ich im Oktober zusammen mit Emil schon einmal gewesen war. Nachdem wir das Tanzbein zu Abba und Grand Prix – Musik geschwungen hatten ging es dann jeweils wieder nach Hause und ich bin recht k.o. ins Bett gefallen. Habe den letztes Skikurstermin heute dann auch einfach mal ausfallen lassen und mir statt dessen einen gemütlichen Tag in meinem Bett gemacht. Morgen früh ist dann wieder Uni und am Donnerstag kommt dann Thiemo mit seinem Freund zu Besuch, die nächste Woche wird also bestimmt wieder sehr ereignisreich!