Also, 1.Woche (mein Gott ist das lang her) – In der ersten Woche nachdem Markus und Thiemo hier waren, ist (glaube ich) nicht besonders viel passiert, aber am Wochenende stand die MSO-Hüttentur auf dem Plan. Freitags nachmittags ging es mit T-Bane und Bus hinauf in die Nordmarka, und von der Bushaltestelle musste man noch ungefähr 1 ½ Stunden durch den Wald zur „Studenterhytta“ marschieren, wobei ich mich sehr nett mit zwei Mädels aus der Umgebung von Stavanger unterhalten habe (was man an dem besonders scharfen R hören konnte).
2. Woche – Auch hier weiß nicht mehr so genau, was wann wo wie passiert ist, aber auf jeden Fall stand an einem Tag Tacco-Essen bei Charlotte auf dem Plan. Sie hatte eine Freundin aus Schottland zu Besuch, so dass ich mal wieder ein wenig mein Englisch trainieren konnte! Am Mittwoch kam dann gleich das nächste Essen hinterher, nachdem Charlotte, Rosie, Inga und ich zunächst fleißig im Domus athletica trainiert hatten. Zusammen mit den schottischen Mädels haben ich einen leckeres Reste-Essen gezaubert und mich den Abend lang köstlich über diverse Themen unterhalten, ab und zu unterbrochen von den Österreichern, die bei Inga eingeladen waren, aber immer bei mir ans Fenster klopften.
Nachdem die Schottinnen wieder weg waren habe ich dann mit Markus noch die neue Folge von GNTM genossen (das musste einfach sein!) und wir haben noch seeeeeeeeeeeehr lange gequatscht... wie schnell die Zeit vergeht, wenn man was zu erzählen hat! ;-) Sonntag Nachmittag habe ich dann Markus wieder in den Zug gesetzt und bin am Abend mit Márton, Sebastian, Charlotte und Rosie ins Kino gegangen und wir haben uns „Milk“ angeschaut. Damit ist dann auch die zweite Woche vorbei!Die 3. Woche begann mit einer Patientenaufnahme im Krankenhaus. Dieses Semester müssen wir ja ganze 12 Patienten aufnehmen, habe es bis jetzt auf 3 geschafft, aber zum Glück gewöhnt man sich langsam daran und es ist nicht mehr ganz so aufregend wie letztes Semester. Mittwoch waren wir dann bei Kathrin aus Bonn und ihrem norwegischen Mitbewohner zum Essen eingeladen. Eigentlich wollten sie fårikål machen, das norwegische Nationalgericht, aber leider kann man im Frühjahr kein Lammfleisch mehr kaufen, dass neben Kohl, Wasser und Pfeffer zu diesem Gericht gehört. Daher gab es statt dessen leckeres Schweinesteak mit Kartoffelgratein!
Konnte nicht ganz bis zum Ende bleiben, weil ich mit Charlotte noch zur Tanzparty gehen wollte, die nur einmal im Monat stattfindet. Haben dann zusammen bis 12 Uhr nachts das Tanzbein zu Rock-Step-Swing-Musik geschwungen und eine Menge Spaß gehabt. Donnerstag gab es am Nachmittag einen Vortrag von einem bekannten norwegischen Künstler, Arzt und Mediengröße - Trond-Viggo, der auf sehr witzige Weise Fragen rund um Sexualität beantwortet hat. Die letzte Frage zum Beispiel war, wieso Männer nach dem Sex immer müde sind jedoch Frauen nicht, und seine Antwort lautete: „Daran sieht man, wer die meiste Arbeit geleistet hat“. Danach gab es noch eine kleine Party im Mediziner-Keller, bei der ich mich gut mit Vegard unterhalten habe, ein Medizin-Student im vierten Semester, dem ich vorher schon einmal im Elsker begegnet war.
Das folgende Wochenende war leider unglaublich langweilig. Inga war mit den Österreichern zum Ski-Kiting gefahren, Rosie in Schweden bei ihrem Freund und Charlotte mit Lernen beschäftigt, so dass ich mich das Wochenende mit mir allein und einem Derma-Buch vergnügen musste.... gääääääähn. Nun denn, dafür bin ich Sonntagabend mit Vegard und Stian ins Kino gegangen in den spannendsten Film, den ich seit langem gesehen habe - „Menn som hater kvinner“. Und dazu war das ganze noch im Kolosseum, einem riesigen Kuppel-Kino in dem einem ganz schwindelig wurde, wenn man nach oben geschaut hat. Seitdem ich dieses Kino im September zum ersten mal gesehen habe, wollte ich immer einmal dort hinein, und jetzt hat es endlich geklappt! Damit kommen wir dann auch schon zur letzten Woche, der...
4. Woche - Montag Abend haben Inga und ich als Revanche für das Steak Kathrin und Øivin zum Essen eingeladen und haben die beiden mit Ofenkartoffeln, Bifteki und einer Gemüsepfanne verwöhnt. Øivin hat mich an dem Abend auch darauf gebracht, dass wahrscheinlich mein uraltes Bett Schuld ist an meiner seit Monaten chronisch verstopften Nase, die mir jegliches olfaktorisches und gustatorisches Vergnügen versaut. Daraufhin habe ich an SIO geschrieben, welche das Studentenwohnheim verwalten, und habe auch prompt ein neues Bett am Donnerstag bekommen. Es war wie ein Überfallkommande, es hat nur ein paar Minuten gedauert und schon war das alte Bett in kleine Stücke geschlagen und das neue Bett aufgebaut... ich war schwer beeindruckt.
Am Abend sind Inga und ich dann mal wieder zum Quiz-Abend im Amatøren gegangen, zusammen mit Charlotte, die Besuch von ihrem Bruder aus Schottland hatte. Diesmal konnte ich sogar ein paar Fragen selber beantworten! Ich war soooo stolz auf mich. Und dann komme ich auch schon zum Höhepunkt der letzten vier Wochen, das letzte Wochenende. Ich wurde am Donnerstag ganz überraschend und kurzfristig von Vegard und Stian auf eine Hüttentur eingeladen. Erst wusste ich nicht genau, ob ich zusagen sollte, weil ich eigentlich meinen zweiten MSO-Observationstermin auf das Wochenende gelegt hatte, aber ich bin sehr froh, dass ich mich schließlich doch dafür entschieden habe. Freitag nach der Uni ging es los. Ich habe mich mit Vegard in Nydalen verabredet und während ich wartete habe ich auch schon Kristine getroffen, ebenfalls bepackt mit Skiern und Reisetasche. Neben Vegard, Stian und mir sollten nämlich auch noch zwei Mädels mitfahren, die zusammen mit Vegard studieren, allerdings kein Medizin sondern Ernährungswissenschaften (welche aber die ersten vier Semester mit den Medizinern zusammen haben).
Als Vegard dann kam sind wir zu der zweiten weiblichen Teilnehmerin gefahren, Silje, die das Fortbewegungsmittel zur Verfügung stellte – das Auto ihrer Eltern. Allerdings mussten wir erst noch über eine Stunde in der Sonne stehen, weil das Packen für manch weiblichen Teilnehmer etwas länger dauerte. Die Skier auf dem Dach, die Taschen im Kofferraum und jeder Platz besetzt ging es dann in Richtung Trondheim. Die Hütte gehörte Stians Eltern und es dauert ganze 6 Stunden, bis wir dort ankamen, aber die Fahrt war alles andere als langweilig. Ich habe jede Menge norwegische Lieder gelernt und mich prächtig mit den vieren unterhalten. Als wir dann um halb eins in der Hütte ankamen und unsere Sachen die 200m durch den eingeschneiten Wald geschleppt hatten ging es zu einem nächtlichen Bad in den „badestamp“.
Das ist ein typisch norwegischer Riesenholzbottich im Freien, dessen Wasser beheizt wird, so dass wir mit einem Glas Wein bewaffnet im etwas zu heißen Wasser sitzen konnten während es uns auf den Kopf schneite... einfach herrlich! Die Hitze des Wassers und die Kälte der Außenluft führte jedoch dazu, dass wir eine Art Hampelmannspiel aufführten und uns ständig auf den Rand setzten und wieder zurück! :-D Am nächsten Morgen wurden dann Nahrungsmittel eingekauft und die Skier ausgepackt, so dass wir schließlich bereit waren für eine kleine Skitour in die Berge. Schon auf dem Rückweg habe ich mich regelmäßig auf die Nase gelegt, weil der Hang so steil war, dass ich meine liebe Mühe hatte dort mit Skiern hinaufzukommen (einmal habe ich sie sogar ausgezogen, ich gebe es zu). Und auf dem Rückweg hatten meine norwegischen Begleiter viel Spaß dabei meine Präsentation der verschiedenen Sturz-Versionen zu betrachten!
Gut durchnässt ging es dann nach der Rückkehr auch direkt wieder mit Cocktailglas in den Holzbottich und die Sauna, bis man wieder schön warm war. Der Abend war dann seeeehr gemütlich mit Tacco-Essen (wie man vielleicht merkt ist dies ein sehr beliebtes Gericht in Norwegen), Spiele spielen und Tanzeinlagen. Besonderes Highlight der Hütte war auch die Toilette, die nicht wie sonst typisch ein einfaches Plumpsklo war sondern ein Hightech-Verbrennungsofen, in den man vor dem Geschäft eine überdimensionierte Filtertüte einsetzen musste, welche nach Beendigung mittels Knopfdruck durch eine Falltür in den Flammen verschwand... man hatte ab und zu schon ein wenig Angst, dass die Klappe sich öffnete während man darauf saß! :-D Zu Bett ging es dann auch erst um 6 Uhr, nachdem Vegard und Stian noch eine nächtliches Schneebad genossen hatten.
Der Sonntag bestand dann hauptsächlich aus Zusammenpacken und Aufräumen, bevor es dann nach dem Mittagessen wieder zurück nach Oslo ging. Auch die Rückfahrt war sehr unterhaltsam, auch wenn ich die letzten 2 Stunden davon verschlafen habe... Heute wollte ich eigentlich wieder in die Notaufnahme, aber ich war nach diesem sehr schönen und sehr norwegischen Wochenende dann einfach zu kaputt. Aber ich werde mich bessern und versuchen, ein wenig fleißiger zu werden – versprochen!

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