
Nach dem Hochgefühl der letzten Tage sitze ich jetzt zufrieden und glücklich aber auch ziemlich geschafft und müde auf meinem Bett und versuche das Geschehene in Worte zu fassen (gut dass ich schreiben kann, sprechen geht nämlich nur noch schwer nach diesem Wochenende!). Anfang der letzten Woche habe ich erst noch fleißig vorgelernt, damit ich bis zur Ankunft von Mario und Ben am Donnerstag alles fertig hatte, was ich mir vorgenommen hatte – mit Erfolg. Mit gutem Gewissen konnte ich die beiden also nachmittags am Bus abholen und dann wurde bei mir zunächst ein Mittagessen gekocht. Die Wohnung samt Küche hatte ich am Vortag noch extra geputzt, um auch einen guten Eindruck zu machen! Danach ging es zur obligatorischen Sightseeing-Tour zum Vigelandspark, Oper, Karl-Johan und Akershus.

Im Anschluss ging es wieder zurück in meine Wohnung zu einer kleinen Überraschung. Nachdem Nina vor Kurzem ausgezogen ist, haben wir nun einen neuen Mitbewohner bekommen. Ein 30 jähriger Vietnamese (dessen Namen ich immer noch nicht verstanden habe), der in Oslo seinen Ph.D. macht. Norwegisch kann man mit ihm leider nicht sprechen und auch nur gebrochen Englisch, aber er scheint recht nett zu sein. Jedoch stimmt leider auch ein Vorurteil, was wir leider direkt bemerken musste – das Essen riecht sehr seltsam! Nach seinem Einzug hatte er nämlich alle seine asiatischen Freunde zu einem Essen eingeladen (und meine schön geputzte Küche glich einem Schlachtfeld), so dass wir uns in mein Zimmer zurückgezogen und mit drei Tüten Sørlandchips bewaffnet das zweite Vorfinale zum Eurovision Song Contest gesehen habe.

Die Entscheidung wurde am Ende recht spannend gemacht und Norwegen erst als achtes von zehn Ländern gezogen, so dass mein Puls schon etwas beschleunigt war. Am nächsten Morgen musste ich dann noch zu meiner letzten Derma-Veranstaltung dieses Semester, während Ben und Mario noch ausgeschlafen und mich bei meiner Rückkehr mit einem leckeren Frühstück überrascht haben (in der jetzt wieder aufgeräumten geruchsneutralen Küche, ordentlich scheint mein neuer Mitbewohner also zu sein!). Danach ging es dann in den botanischen Garten, in dem wir uns angeregt über verschiedene Baumarten unterhalten haben und ich mir meines schlechten botanischen Wissens bewusst werden musste.

Nach der Erkundung eines Duftgartens und dem Bewundern blühender Bäume ging es dann zunächst in einen Supermarkt zum Einkaufen, damit wir daraufhin die Fähre nach Bygdøy nehmen konnten um dort zu grillen. Das Wetter war perfekt und keine Wolke am Himmel, so dass ich am Abend auch mal wieder hübsche rote Wangen hatte. Nach einem Spaziergang vom Anleger bis zur Spitze der Halbinsel, Huk, und einer typisch norwegischen Grillaktion mit „pølser i lompe“ bin ich dann wieder in die Stadt gefahren, während die beiden die Insel noch weiter erkundeten. Ich hatte mich mit Vegard und einer Gruppe anderer Mediziner im Stensparken zum Vorspiel vor der Mediziner-Revue verabredet. Nachdem wir uns dort also eine weitere Stunde in der Sonne vergnügt hatten, ging es mit der Staßenbahn rauf zum Rikshospital zur Revue. Charlotte, Rosie und Sebastian waren auch dabei und ich habe mich auch dieses mal wieder köstlich amüsiert.

Highlight war die Eröffnung, bei der sich ein recht gut gebauter Medizin-Student einfach ganz(!!!) nackt auf die Bühne gestellt hat. Leider war meine Handy-Kamera zu schlecht, um davon ein Bild zu machen... :-). Nach der Show habe ich Mario und Ben bei mir Zuhause wiedergetroffen. Eigentlich wollte ich die beiden nur abholen, aber dann haben wir doch noch ein Abendessen dazwischen geschoben, bevor es dann zurück in den Mediziner-Club zur „after show party“ ging. Die Norweger und auch die Mädels hatten uns leider schon einiges voraus was den Alkoholspiegel anging, aber wir haben dann mehr oder minder schnell aufgeholt und einen sehr lustigen Abend gehabt. Vor allem Charlotte hatte an diesem Abend auch wieder viel Spaß! Am nächsten Tag konnten ich dann auch ein wenig länger ausschlafen und auf Wunsch meiner beiden Gäste ging es dann noch einmal nach Bygdøy ins Folkemuseet.

Leider waren manche Teile der Ausstellung geschlossen und es fing an zu regnen, dennoch konnten wir zum Beispiel eine Gruppe kleinerer Kinder bewundern, die norwegische Volkstänze zum besten gaben. Da sich der Himmel immer weiter zuzog, haben wir uns nach dem Museum dazu entschieden, in der Stadt etwas essen zu gehen und sind im TullinsCafe eingekehrt, in dem jeder von uns eine sehr leckere und nicht einmal allzu teure Mahlzeit zu sich genommen hat, während es draußen in Strömen regnete. Dann hieß es sich auch schon fertig machen für die Grandprix-Party, die am Abend bei Vegard auf dem Plan stand. Der Farbcode war natürlich blau-rot-weiß und ich habe mich zur Feier des Tages einfach direkt in ein Norwegen-Shirt geworfen. Natürlich wieder die ersten auf der Party füllte sich die Wohnung von Vegard allmählich mit einer Menge meist unbekannter Norweger, aber dank Wein, Bier und Snus-Tabak wurde die Stimmung immer besser.

Es wurde wild Punkte für die einzelnen Beiträge verteilt, lautstark mitgesungen und gespannt der Atem angehalten als Norwegen seinen Auftritt hatte, natürlich gefolgt von ekstatischen Geschrei! Ich habe noch schnell meine Familie in Deutschland mobilisiert und zum Abstimmen für Norwegen überredet und dann kam jene besagte Stunde (oder mehr), die Grund für meine mitgenommenen Stimmbänder ist. Es wurde quasi konstant durchgejubelt, so dass man beinahe taub wurde, jedes mal bei 12 Punkten haben wir auf dem Sofa getanzt und immer, wenn es weniger als 8 waren (was ja nicht allzu oft vorkam) entrüstet gebuht! Mario und Ben waren wahrscheinlich etwas eingeschüchtert von einem derartigen Patriotismus und ohrenbetäubenden Geschrei. „I´m in loooooove with a fairytaaaaaaaale!!!“

Mit Tränen in den Augen und Kratzen im Hals ging es danach natürlich noch in die Stadt, die ungewohnt voll war, und hinein ins Elsker, wo wir unsere Freude durch wildes Getanze (hauptsächlich zu Grand-Prix-Musik) zum Ausdruck bringen konnten. Ziemlich kaputt ging es dann schließlich doch mit dem Nachtbus wieder nach Hause und die Nacht war ziemlich kurz, weil am nächsten Tag ja direkt der nächsten Höhepunkt auf dem Plan stand – der 17. Mai, Norwegens Nationalfeiertag. Begonnen haben wir es traditionell mit einem Frühstück bei mir in der Wohnung, zu der neben Mario und Ben auch noch die Schottinnen, Inga mit Besuch und Sebastian eingeladen waren. In unserer feinsten Kleidung ging es dann Fähnchen-schwingend bei strahlendem Sonnenschein hinab in die Stadt, die ich noch nie derart überfüllt erlebt habe.

Zwar waren über 5.000 Menschen zum Flughafen Gardermoen gereist, um den dort ankommenden Alexander Rybak willkommen zu heißen (der am Vorabend bei seiner Dankesrede gesagt hatte, er würde sich freuen, wenn ihn ein paar Menschen dort erwarten würden) aber der Rest der ca. 1 Millionen Einwohner von Oslo hatte sich auf der Karl-Johan versammelt, um den Kinderzug zu sehen und der Königsfamilie zu zu winken. Trotz großer Schwierigkeiten, sich durch die Massen zu kämpfen und die verschiedenen Leute in der Menge zu finden bzw. nicht zu verlieren, haben wir sehr viel Spaß gehabt, den vorbeiziehenden Kinder-Blaskapellen mit unseren Fähnchen zugewunken und auch einen entfernten Blick auf die Königsfamilie erhaschen können.

Nach dem Genuss eines Eises, für das wir ca. eine halbe Stunde anstehen mussten, haben wir uns dann erfolglos auf die Suche nach einem Lokal gemacht, in dem man draußen sitzen konnte – die Stadt war einfach restlos voll. Daher haben wir uns dann für Grillen im Stensparken entschieden, wofür Charlotte, Rosie und ich zunächst noch nach Sogn zurückgefahren sind, um die nötigen Zutaten zu besorgen. Stian, Vegard, Mario, Ben und Markus, den wir beim Zug getroffen haben, haben sich während dessen schon in den Park gesetzt. Da die Stadt allerdings so überfüllt war, dass man sich noch nicht einmal mehr in eine T-Bane hineinpressen konnte, hat die Hin- und Zurück-Fahrt fast 2 Stunden gedauert. Schließlich konnten wir aber doch die Sonne genießen, Würstchen grillen und uns beim Kubb-Spielen amüsieren, bei dem Mario, Ben und ich souverän gewonnen haben!!!

Danach hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen und Mario, Ben und ich haben den Abend ganz ruhig und entspannt mit Krabben-puhlen und Bilder angucken verbracht. Heute morgen habe ich die beiden dann auch wieder zum Busbahnhof gebracht, mich 2 Stunden in die Uni geschleppt und sitze nun wie gesagt zufrieden und glücklich aber auch ziemlich geschafft auf meinem Bett. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass das vergangene das beste Wochenende hier in Norwegen war, das sicherlich nicht mehr geschlagen werden kann. Ab jetzt heißt es Vollgas geben beim Lernen, damit ich meine Prüfung in 4 Wochen auch noch erfolgreich schaffe, bevor es Ende Mai endgültig wieder nach Deutschland geht. Aber das ein oder andere Ereignis steht dann in den nächsten Wochen doch noch an, wenn auch nicht mehr so geballt wie bei diesem fantastischen Wochenende – JA, JEG ELSKER DETTE LANDET!