Sonntag, 24. Mai 2009

Lern-Sightseeing in Oslo


Zum Ende hin steigt jetzt die Blogg-Dichte wieder ein wenig an, aber nicht, weil so viel mehr passiert, sondern weil man sich irgendwie vom Lernen ablenken muss. Denn das ist es, was jetzt zu meiner Hauptbeschäftigung am Tag geworden ist. Aber es ist nicht ganz so schlimm wie im Winter, denn jetzt ist es immer von 5 Uhr morgens bis 11 Uhr abends taghell und ich kann beim Lernen durch Oslo laufen und mir die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Nach dem 17.Mai habe ich es auch erst einmal langsam angehen lassen. Mittwoch hatte ich meine letzte Kleingruppe im Krankenhaus, jetzt ist mein Unterschriftenbuch schon fast voll, mir fehlt nur noch die Bestätigung für meine Journale. Am Abend bin ich dann auf das „Rekefest“ gegangen, weclhes von MSO organisiert war und die Unterschrift trug „Werde ein besserer Didakt“. Im Endeffekt wurde doch hauptsächlich nur gegessen, Wein getrunken und ab und zu einem kleinen Vortrag gelauscht, sehr viel dazu gelernt habe ich nicht, außer das Garnelen die Kakerlaken des Meeres sind – lecker! Donnerstag habe ich dann mit meinen Lerntouren durch Oslo begonnen. Ich entdecke dabei immer neue Ecken der Stadt! Habe mich dann auch zu einem Glas Wasser bei Vegard eingeladen, so dass ich ein wenig Abwechslung hatte. Freitag Abend bin ich dann zusammen mit Charlotte und Rosie nach Ås gefahren, weil Markus an dem Tag Geburtstag hatte und zudem seine letzte Klausur geschrieben hat – beneidenswert. Leider hat es bei unserer Ankunft geregnet und die Mädels hatten keine Regenjacken dabei, so dass wir etwas durchnässt im „Pentagon“-Studentenwohnheim ankamen. Markus hatte überraschend Besuch von Matthias aus Deutschland bekommen, war aber generell recht geschafft nach diesem Tag. Die Party wurde dann dennoch sehr witzig, mit guter Musik (die sich gegen Ende leider wiederholte), lustigen Menschen und natürlich Grillwürstchen! Rosie haben Matthias und ich am Abend wieder zum Zug gebracht, da sie nicht übernachten wollte. Auf dem Weg mussten wir schon recht gut aufpassen, nicht auf einen der Dutzend Frösche zu treten, die über die Straße hüpften. Charlotte und ich haben dann zusammen bei Markus und Matthias geschlafen und wurden am nächsten Morgen vom Duft frisch zubereiteter Pfannekuchen von Markus geweckt. Nach einem leckeren Frühstück auf dem Balkon, von dem man aus eine Gruppe Pferde beobachten konnte haben wir dann zusammen das Germanys next topmodel Finale gesehen. Damit ist dann auch diese Zeit vorbei, aber ich bin froh, dass ich das Ende zusammen mit Markus gucken konnte! Nach einem gemeinsamen Eis ging es für Charlotte und mich dann auch wieder zurück nach Oslo, aber vorher haben wir Markus noch das Versprechen abgenommen, uns nächstes Wochenende noch einmal in Oslo zu besuchen, bevor er wieder in die Heimat verschwindet (schnief).
Generell werde ich zur Zeit recht traurig, wenn ich daran denke, wie bald alles hier oben vorbei ist. Werde ein paar Leute doch schon seeehr vermissen. Samstag Abend war ich dann aber zusammen mit Sebastian und Charlotte zum Garnelen-Essen bei Inga eingeladen, welche gerade Besuch von ihrem Bruder samt Freundin hatte. Die beiden konnten sehr viele spannende Geschichten von ihren Asien-Reisen erzählen! Gestern bin ich dann wieder durch Oslo und entlang des Flusses marschiert, während ich meine Unterlagen gepaukt habe. Das gleiche steht heute wieder an, aber im Moment sind meine Klamotten noch in der Waschmaschine und ich muss die Zeit bis sie fertig sind irgendwie überbrücken!

Montag, 18. Mai 2009

Norway - 12 points! Ja vi elsker dette landet!



Nach dem Hochgefühl der letzten Tage sitze ich jetzt zufrieden und glücklich aber auch ziemlich geschafft und müde auf meinem Bett und versuche das Geschehene in Worte zu fassen (gut dass ich schreiben kann, sprechen geht nämlich nur noch schwer nach diesem Wochenende!). Anfang der letzten Woche habe ich erst noch fleißig vorgelernt, damit ich bis zur Ankunft von Mario und Ben am Donnerstag alles fertig hatte, was ich mir vorgenommen hatte – mit Erfolg. Mit gutem Gewissen konnte ich die beiden also nachmittags am Bus abholen und dann wurde bei mir zunächst ein Mittagessen gekocht. Die Wohnung samt Küche hatte ich am Vortag noch extra geputzt, um auch einen guten Eindruck zu machen! Danach ging es zur obligatorischen Sightseeing-Tour zum Vigelandspark, Oper, Karl-Johan und Akershus. Im Anschluss ging es wieder zurück in meine Wohnung zu einer kleinen Überraschung. Nachdem Nina vor Kurzem ausgezogen ist, haben wir nun einen neuen Mitbewohner bekommen. Ein 30 jähriger Vietnamese (dessen Namen ich immer noch nicht verstanden habe), der in Oslo seinen Ph.D. macht. Norwegisch kann man mit ihm leider nicht sprechen und auch nur gebrochen Englisch, aber er scheint recht nett zu sein. Jedoch stimmt leider auch ein Vorurteil, was wir leider direkt bemerken musste – das Essen riecht sehr seltsam! Nach seinem Einzug hatte er nämlich alle seine asiatischen Freunde zu einem Essen eingeladen (und meine schön geputzte Küche glich einem Schlachtfeld), so dass wir uns in mein Zimmer zurückgezogen und mit drei Tüten Sørlandchips bewaffnet das zweite Vorfinale zum Eurovision Song Contest gesehen habe. Die Entscheidung wurde am Ende recht spannend gemacht und Norwegen erst als achtes von zehn Ländern gezogen, so dass mein Puls schon etwas beschleunigt war. Am nächsten Morgen musste ich dann noch zu meiner letzten Derma-Veranstaltung dieses Semester, während Ben und Mario noch ausgeschlafen und mich bei meiner Rückkehr mit einem leckeren Frühstück überrascht haben (in der jetzt wieder aufgeräumten geruchsneutralen Küche, ordentlich scheint mein neuer Mitbewohner also zu sein!). Danach ging es dann in den botanischen Garten, in dem wir uns angeregt über verschiedene Baumarten unterhalten haben und ich mir meines schlechten botanischen Wissens bewusst werden musste. Nach der Erkundung eines Duftgartens und dem Bewundern blühender Bäume ging es dann zunächst in einen Supermarkt zum Einkaufen, damit wir daraufhin die Fähre nach Bygdøy nehmen konnten um dort zu grillen. Das Wetter war perfekt und keine Wolke am Himmel, so dass ich am Abend auch mal wieder hübsche rote Wangen hatte. Nach einem Spaziergang vom Anleger bis zur Spitze der Halbinsel, Huk, und einer typisch norwegischen Grillaktion mit „pølser i lompe“ bin ich dann wieder in die Stadt gefahren, während die beiden die Insel noch weiter erkundeten. Ich hatte mich mit Vegard und einer Gruppe anderer Mediziner im Stensparken zum Vorspiel vor der Mediziner-Revue verabredet. Nachdem wir uns dort also eine weitere Stunde in der Sonne vergnügt hatten, ging es mit der Staßenbahn rauf zum Rikshospital zur Revue. Charlotte, Rosie und Sebastian waren auch dabei und ich habe mich auch dieses mal wieder köstlich amüsiert. Highlight war die Eröffnung, bei der sich ein recht gut gebauter Medizin-Student einfach ganz(!!!) nackt auf die Bühne gestellt hat. Leider war meine Handy-Kamera zu schlecht, um davon ein Bild zu machen... :-). Nach der Show habe ich Mario und Ben bei mir Zuhause wiedergetroffen. Eigentlich wollte ich die beiden nur abholen, aber dann haben wir doch noch ein Abendessen dazwischen geschoben, bevor es dann zurück in den Mediziner-Club zur „after show party“ ging. Die Norweger und auch die Mädels hatten uns leider schon einiges voraus was den Alkoholspiegel anging, aber wir haben dann mehr oder minder schnell aufgeholt und einen sehr lustigen Abend gehabt. Vor allem Charlotte hatte an diesem Abend auch wieder viel Spaß! Am nächsten Tag konnten ich dann auch ein wenig länger ausschlafen und auf Wunsch meiner beiden Gäste ging es dann noch einmal nach Bygdøy ins Folkemuseet. Leider waren manche Teile der Ausstellung geschlossen und es fing an zu regnen, dennoch konnten wir zum Beispiel eine Gruppe kleinerer Kinder bewundern, die norwegische Volkstänze zum besten gaben. Da sich der Himmel immer weiter zuzog, haben wir uns nach dem Museum dazu entschieden, in der Stadt etwas essen zu gehen und sind im TullinsCafe eingekehrt, in dem jeder von uns eine sehr leckere und nicht einmal allzu teure Mahlzeit zu sich genommen hat, während es draußen in Strömen regnete. Dann hieß es sich auch schon fertig machen für die Grandprix-Party, die am Abend bei Vegard auf dem Plan stand. Der Farbcode war natürlich blau-rot-weiß und ich habe mich zur Feier des Tages einfach direkt in ein Norwegen-Shirt geworfen. Natürlich wieder die ersten auf der Party füllte sich die Wohnung von Vegard allmählich mit einer Menge meist unbekannter Norweger, aber dank Wein, Bier und Snus-Tabak wurde die Stimmung immer besser. Es wurde wild Punkte für die einzelnen Beiträge verteilt, lautstark mitgesungen und gespannt der Atem angehalten als Norwegen seinen Auftritt hatte, natürlich gefolgt von ekstatischen Geschrei! Ich habe noch schnell meine Familie in Deutschland mobilisiert und zum Abstimmen für Norwegen überredet und dann kam jene besagte Stunde (oder mehr), die Grund für meine mitgenommenen Stimmbänder ist. Es wurde quasi konstant durchgejubelt, so dass man beinahe taub wurde, jedes mal bei 12 Punkten haben wir auf dem Sofa getanzt und immer, wenn es weniger als 8 waren (was ja nicht allzu oft vorkam) entrüstet gebuht! Mario und Ben waren wahrscheinlich etwas eingeschüchtert von einem derartigen Patriotismus und ohrenbetäubenden Geschrei. „I´m in loooooove with a fairytaaaaaaaale!!!“ Mit Tränen in den Augen und Kratzen im Hals ging es danach natürlich noch in die Stadt, die ungewohnt voll war, und hinein ins Elsker, wo wir unsere Freude durch wildes Getanze (hauptsächlich zu Grand-Prix-Musik) zum Ausdruck bringen konnten. Ziemlich kaputt ging es dann schließlich doch mit dem Nachtbus wieder nach Hause und die Nacht war ziemlich kurz, weil am nächsten Tag ja direkt der nächsten Höhepunkt auf dem Plan stand – der 17. Mai, Norwegens Nationalfeiertag. Begonnen haben wir es traditionell mit einem Frühstück bei mir in der Wohnung, zu der neben Mario und Ben auch noch die Schottinnen, Inga mit Besuch und Sebastian eingeladen waren. In unserer feinsten Kleidung ging es dann Fähnchen-schwingend bei strahlendem Sonnenschein hinab in die Stadt, die ich noch nie derart überfüllt erlebt habe.
Zwar waren über 5.000 Menschen zum Flughafen Gardermoen gereist, um den dort ankommenden Alexander Rybak willkommen zu heißen (der am Vorabend bei seiner Dankesrede gesagt hatte, er würde sich freuen, wenn ihn ein paar Menschen dort erwarten würden) aber der Rest der ca. 1 Millionen Einwohner von Oslo hatte sich auf der Karl-Johan versammelt, um den Kinderzug zu sehen und der Königsfamilie zu zu winken. Trotz großer Schwierigkeiten, sich durch die Massen zu kämpfen und die verschiedenen Leute in der Menge zu finden bzw. nicht zu verlieren, haben wir sehr viel Spaß gehabt, den vorbeiziehenden Kinder-Blaskapellen mit unseren Fähnchen zugewunken und auch einen entfernten Blick auf die Königsfamilie erhaschen können. Nach dem Genuss eines Eises, für das wir ca. eine halbe Stunde anstehen mussten, haben wir uns dann erfolglos auf die Suche nach einem Lokal gemacht, in dem man draußen sitzen konnte – die Stadt war einfach restlos voll. Daher haben wir uns dann für Grillen im Stensparken entschieden, wofür Charlotte, Rosie und ich zunächst noch nach Sogn zurückgefahren sind, um die nötigen Zutaten zu besorgen. Stian, Vegard, Mario, Ben und Markus, den wir beim Zug getroffen haben, haben sich während dessen schon in den Park gesetzt. Da die Stadt allerdings so überfüllt war, dass man sich noch nicht einmal mehr in eine T-Bane hineinpressen konnte, hat die Hin- und Zurück-Fahrt fast 2 Stunden gedauert. Schließlich konnten wir aber doch die Sonne genießen, Würstchen grillen und uns beim Kubb-Spielen amüsieren, bei dem Mario, Ben und ich souverän gewonnen haben!!! Danach hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen und Mario, Ben und ich haben den Abend ganz ruhig und entspannt mit Krabben-puhlen und Bilder angucken verbracht. Heute morgen habe ich die beiden dann auch wieder zum Busbahnhof gebracht, mich 2 Stunden in die Uni geschleppt und sitze nun wie gesagt zufrieden und glücklich aber auch ziemlich geschafft auf meinem Bett. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass das vergangene das beste Wochenende hier in Norwegen war, das sicherlich nicht mehr geschlagen werden kann. Ab jetzt heißt es Vollgas geben beim Lernen, damit ich meine Prüfung in 4 Wochen auch noch erfolgreich schaffe, bevor es Ende Mai endgültig wieder nach Deutschland geht. Aber das ein oder andere Ereignis steht dann in den nächsten Wochen doch noch an, wenn auch nicht mehr so geballt wie bei diesem fantastischen Wochenende – JA, JEG ELSKER DETTE LANDET!

Montag, 11. Mai 2009

Stockholm


Da in diesem Monat ein großes Ereignis nach dem anderen ansteht, bin ich dieses mal mit dem Eintrag ein wenig schneller, damit ich am Schluss nicht ganz den Überblick verliere. Nach unserem Grillwochenende vor zwei Wochen bin ich Dienstags erstmal krank geworden. Der Kopf tat zum Zerbersten weh, das Schlucken nur unter schmerzverzogenem Gesicht möglich und die Lymphknoten imponierten am Hals wie Golfbälle. Okay, ich übertreibe ein wenig, aber dennoch hatte ich eine ordentliche Mandelentzündung. Und leider konnte ich mich auch gar nicht direkt auskurieren, da am Mittwoch mein erster MSO-Unterricht auf dem Plan stand. Diesen musste ich am Dienstag erstmal mit Christine, meiner Unterrichtspartnerin vorbereiten, was schon ein wenig Zeit gekostet hat, dafür hat am Mittwoch aber auch alles toll geklappt. Nach dem allzu frühem Aufstehen und der Bahnfahrt zur Schule außerhalb von Oslo erwartete uns dort ein sehr modernes Schulgebäude, in dem man sich sogar die Schuhe ausziehen bzw. sich blaue Schutzkappen über die Schuhe ziehen musste. Ich war zunächst ein wenig aufgeregt, aber norwegische Schüler sind anscheinend sehr nett und lernbegierig, v.a. wenn es ums Thema Sex geht! Alles in allem war ich mit diesem Tag sehr zufrieden, habe auch gute Rückmeldungen von meiner Partnerin bekommen und demnächst bekomm ich sogar auch ein wenig Geld dafür. Trotz dem Erfolgserlebnis bin ich danach dann erst einmal ins Bett gekippt und die Krankheit hat mich derart erwischt, dass ich am Donnerstag das „legevakten“-Notfallkrankenhaus besucht habe. Dort habe ich dann die Diagnose Streptokokken-Tonsillitis bekommen und eine Packung Antibiotika, die ich ab dem Tag fleißig geschluckt habe (bis vor zwei Tagen). Dennoch war ich die nächsten beiden Tage dann erstmal flach gelegt, so dass das S-Fest für mich leider ausgefallen ist, und dabei hatte ich mich so darauf gefreut. Nun ja, es kommen noch mehr Feste auf mich zu. Das Wochenende habe ich dann ruhig verbracht, am Samstag habe ich mich mit Stian und Vegard im Schlosspark getroffen und wir sind dann anschließend noch zu einem Heißgetränk ins Ett Glass und schließlich zu einer Runde Wizard zu Vegard gegangen, bei der ich gnadenlos verloren habe. Auch am nächsten Abend konnte ich Vegard bei einem kleinen Spiele- & Filmabend nicht schlagen... da muss ich wohl noch ein wenig trainieren. Die nächste Woche begann mal wieder mit einer Patientenaufnahme in der Akuttmottaket. Irgendwie nimmt das kein Ende, aber heute Nachmittag, wenn ich denn Erfolg habe, werde ich meinen letzten Patienten aufnehmen. Am Mittwoch stand dann auch direkt schon das zweite mal Unterricht mit MSO auf dem Plan. Diesmal nahm die Vorbereitung weniger Zeit in Kauf, dafür hatte ich dann auch ein paar Probleme mit der Klasse, die im Gegensatz zur ersten furchtbar schweigsam war, so dass meine didaktischen Fähigkeiten sehr gefordert wurden. Aber das ganze war sehr lehrreich auch für mich, und ich weiß jetzt, was ich das nächste mal besser machen kann. Dafür war die Schule auch diesmal wieder piekfein und modern... habe irgendwie noch keine hässliche alte Schule in Norwegen zu sehen, da weiß man, worin das Land investiert. Donnerstag habe ich dann alle Vorbereitungen getroffen um mich zusammen mit Rosie und Charlotte am Freitag um halb sieben auf den Weg nach Stockholm zu machen. Nach einer 6-stündigen Zugfahrt, die ich größtenteils verschlafen und den anderen Teil mit dem Genuss meiner zubereiteten Brote verbracht habe kamen wir dann in der Hauptstadt Schwedens an. Der Kauf eines T-Bane-Tickets gestaltete sich etwas einfacher als damals in Kopenhagen und auch das Hostel übertraf meine bisherigen Erfahrungen bei weitem. Es war alles sehr sauber und jedes Zimmer geschmackvoll (natürlich mit IKEA-Möbeln) eingerichtet, so dass ich sofort einen Freudensprung ausführen musste. Nach der Inbesitznahme unserer Betten ging es dann auf die Erkundungstour durch Stockholm, vorbei an alten Kirchen, romantischen Plätzen, durch die Altstadt Gamla Stan mit einem Besuch in einem kleinen Café und schließlich zum Schloss und Parlamentsgebäude, hinter dem man in einem Kanal die Kajakfahrer trainieren sehen konnte. Weiter ging es über große Plätzen mit kupfernen Löwen, durch hohe Häuserschluchten bis zu einem schönen Park hinter der Nationalbibliothek. Wir hatten viel Glück mit dem Wetter - obwohl Regen angesagt war, hat größtenteils die Sonne geschienen. Gegen Abend wurde es dann doch etwas kühl, so dass wir in ein schönes kleines schwedisches Restaurant in der Altstadt eingekehrt sind und ein Nationalgericht bestellt haben, dass alle dank einem großen Möbelkonzern sofort mit Schweden in Verbindung bringen – Köttbullar. Diese waren allerdings etwas größer und vom Elch, so dass das ganze zu einem tollen kulinarischen Ereignis wurde. Satt und müde in den Beinen haben wir im Hostel dann noch eine Runde Karten gespielt, die anderen Besucher bei ihren Unterhaltungen belauscht und ein wenig Sexualaufklärung betrieben, bevor es dann in die Federn ging. Am nächsten Tag ist Rosies Freund Dominik zusammen mit einem Freund von ihm nach Stockholm gekommen, beide studieren eigentlich in Uppsala. Zusammen haben wir erst in einem kleinen Café gefrühstückt und sind dann mit der Fähre zur Halbinsel Djurgården gefahren und haben dem Vasa-Museum einen Besuch abgestattet. Dieses uralte Holzschiff an sich ist schon sehr beeindruckend, aber die Schweden haben auch verstanden, wie man ein sehr spannendes und interessantes Museum darum herum baut, in dem es Unmengen zu erleben gibt. Nachdem wir also zwei Stunden im Halbdunkel des Museums verbracht hatten, ging es wieder hinaus unter den freien Himmel, an dem sich die morgendlichen Wolken verzogen hatten und wir den Rest des Tages von der Sonne begleitet wurden. Mit knurrenden Mägen ging es nun zunächst zum Kulturhuset zu einem kleinen Lunch und danach auf mein Bestreben hin zum Wohnhaus von Astrid Lindgren. Zwar war nicht mehr zu sehen als eine Plakette an der Tür, dafür war der Park vor dem Haus gemütlich und so haben wir uns ein wenig gesonnt und Eis gegessen. Danach haben sich die beiden Jungs auch schon wieder nach Uppsala verabschiedet und wir drei sind nach einer kleinen Zwischenmahlzeit im schwedischen Pendant zu McDonalds Max zum Freilichtmuseum- & Tierpark Skansen gefahren. Spontan dazu entschieden entwickelte sich diese Idee für uns alle zum Höhepunkt der Stockholmfahrt. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit war der Park schon fast menschenleer und wir konnten eine Reihe nordischer Tierarten hautnah erleben, von Rentieren, Elchen, Robben und Wildschweinen bis zu den Füchsen, Wölfen und Bären. Dazu gab es dann jede Menge romantischer alter schwedischer Häuser zu bewundern, gepaart mit einer untergehenden Sonne und einem tollen Ausblick über Stockholm. Sehr zufrieden mit diesem Tag sind wir dann wieder in ein Restaurant eingekehrt und haben unser zweites kulinarisches Erlebnis gemacht - Rentier-Ragout. An diesem Abend haben wir es nicht einmal mehr zum Spielen geschafft, sondern sind im Hostel direkt in die Betten gefallen. Der nächste Morgen war im Gegensatz zu den vergangenen beiden Tagen bewölkt und regnerisch. Nach einem kleinen Frühstück in einem Kino-Café sind wir daher ins Stadtmuseum gegangen und haben uns eine Ausstellung über Filme angesehen, welche in Stockholm spielen. Auch dieses Museum war wieder gut gemacht, die Schweden haben es einfach raus! ;-) Danach blieb nicht mehr sehr viel Zeit, so dass wir uns nach der erfolglosen Suche nach dem Fotografie-Museum wieder zum Bahnhof begeben haben von wo aus es dann wieder mit einem sehr überfüllten Zug zurück in Richtung Oslo ging. Auf dieser Fahrt wurde weniger geschlafen, dafür mehr gelesen und gespielt, so dass wir alle drei in sehr guter Laune wieder unserer Heimatstadt Oslo angekommen sind. Leider wird einem dabei immer wieder schmerzlich bewusst, dass das Jahr schon bald vorbei ist und wir uns alle bald voneinander verabschieden müssen. Aber das wird vorerst wieder verdrängt, denn nächstes Wochenende kommt das Wochenende, auf das wir uns alle schon seit unserer Ankunft im August gefreut haben – der Nationalfeiertag. Und dazu kommt noch das Grand-Prix-Finale und ich bekomme Besuch, es geht also ereignisreich weiter.