Montag, 11. Mai 2009

Stockholm


Da in diesem Monat ein großes Ereignis nach dem anderen ansteht, bin ich dieses mal mit dem Eintrag ein wenig schneller, damit ich am Schluss nicht ganz den Überblick verliere. Nach unserem Grillwochenende vor zwei Wochen bin ich Dienstags erstmal krank geworden. Der Kopf tat zum Zerbersten weh, das Schlucken nur unter schmerzverzogenem Gesicht möglich und die Lymphknoten imponierten am Hals wie Golfbälle. Okay, ich übertreibe ein wenig, aber dennoch hatte ich eine ordentliche Mandelentzündung. Und leider konnte ich mich auch gar nicht direkt auskurieren, da am Mittwoch mein erster MSO-Unterricht auf dem Plan stand. Diesen musste ich am Dienstag erstmal mit Christine, meiner Unterrichtspartnerin vorbereiten, was schon ein wenig Zeit gekostet hat, dafür hat am Mittwoch aber auch alles toll geklappt. Nach dem allzu frühem Aufstehen und der Bahnfahrt zur Schule außerhalb von Oslo erwartete uns dort ein sehr modernes Schulgebäude, in dem man sich sogar die Schuhe ausziehen bzw. sich blaue Schutzkappen über die Schuhe ziehen musste. Ich war zunächst ein wenig aufgeregt, aber norwegische Schüler sind anscheinend sehr nett und lernbegierig, v.a. wenn es ums Thema Sex geht! Alles in allem war ich mit diesem Tag sehr zufrieden, habe auch gute Rückmeldungen von meiner Partnerin bekommen und demnächst bekomm ich sogar auch ein wenig Geld dafür. Trotz dem Erfolgserlebnis bin ich danach dann erst einmal ins Bett gekippt und die Krankheit hat mich derart erwischt, dass ich am Donnerstag das „legevakten“-Notfallkrankenhaus besucht habe. Dort habe ich dann die Diagnose Streptokokken-Tonsillitis bekommen und eine Packung Antibiotika, die ich ab dem Tag fleißig geschluckt habe (bis vor zwei Tagen). Dennoch war ich die nächsten beiden Tage dann erstmal flach gelegt, so dass das S-Fest für mich leider ausgefallen ist, und dabei hatte ich mich so darauf gefreut. Nun ja, es kommen noch mehr Feste auf mich zu. Das Wochenende habe ich dann ruhig verbracht, am Samstag habe ich mich mit Stian und Vegard im Schlosspark getroffen und wir sind dann anschließend noch zu einem Heißgetränk ins Ett Glass und schließlich zu einer Runde Wizard zu Vegard gegangen, bei der ich gnadenlos verloren habe. Auch am nächsten Abend konnte ich Vegard bei einem kleinen Spiele- & Filmabend nicht schlagen... da muss ich wohl noch ein wenig trainieren. Die nächste Woche begann mal wieder mit einer Patientenaufnahme in der Akuttmottaket. Irgendwie nimmt das kein Ende, aber heute Nachmittag, wenn ich denn Erfolg habe, werde ich meinen letzten Patienten aufnehmen. Am Mittwoch stand dann auch direkt schon das zweite mal Unterricht mit MSO auf dem Plan. Diesmal nahm die Vorbereitung weniger Zeit in Kauf, dafür hatte ich dann auch ein paar Probleme mit der Klasse, die im Gegensatz zur ersten furchtbar schweigsam war, so dass meine didaktischen Fähigkeiten sehr gefordert wurden. Aber das ganze war sehr lehrreich auch für mich, und ich weiß jetzt, was ich das nächste mal besser machen kann. Dafür war die Schule auch diesmal wieder piekfein und modern... habe irgendwie noch keine hässliche alte Schule in Norwegen zu sehen, da weiß man, worin das Land investiert. Donnerstag habe ich dann alle Vorbereitungen getroffen um mich zusammen mit Rosie und Charlotte am Freitag um halb sieben auf den Weg nach Stockholm zu machen. Nach einer 6-stündigen Zugfahrt, die ich größtenteils verschlafen und den anderen Teil mit dem Genuss meiner zubereiteten Brote verbracht habe kamen wir dann in der Hauptstadt Schwedens an. Der Kauf eines T-Bane-Tickets gestaltete sich etwas einfacher als damals in Kopenhagen und auch das Hostel übertraf meine bisherigen Erfahrungen bei weitem. Es war alles sehr sauber und jedes Zimmer geschmackvoll (natürlich mit IKEA-Möbeln) eingerichtet, so dass ich sofort einen Freudensprung ausführen musste. Nach der Inbesitznahme unserer Betten ging es dann auf die Erkundungstour durch Stockholm, vorbei an alten Kirchen, romantischen Plätzen, durch die Altstadt Gamla Stan mit einem Besuch in einem kleinen Café und schließlich zum Schloss und Parlamentsgebäude, hinter dem man in einem Kanal die Kajakfahrer trainieren sehen konnte. Weiter ging es über große Plätzen mit kupfernen Löwen, durch hohe Häuserschluchten bis zu einem schönen Park hinter der Nationalbibliothek. Wir hatten viel Glück mit dem Wetter - obwohl Regen angesagt war, hat größtenteils die Sonne geschienen. Gegen Abend wurde es dann doch etwas kühl, so dass wir in ein schönes kleines schwedisches Restaurant in der Altstadt eingekehrt sind und ein Nationalgericht bestellt haben, dass alle dank einem großen Möbelkonzern sofort mit Schweden in Verbindung bringen – Köttbullar. Diese waren allerdings etwas größer und vom Elch, so dass das ganze zu einem tollen kulinarischen Ereignis wurde. Satt und müde in den Beinen haben wir im Hostel dann noch eine Runde Karten gespielt, die anderen Besucher bei ihren Unterhaltungen belauscht und ein wenig Sexualaufklärung betrieben, bevor es dann in die Federn ging. Am nächsten Tag ist Rosies Freund Dominik zusammen mit einem Freund von ihm nach Stockholm gekommen, beide studieren eigentlich in Uppsala. Zusammen haben wir erst in einem kleinen Café gefrühstückt und sind dann mit der Fähre zur Halbinsel Djurgården gefahren und haben dem Vasa-Museum einen Besuch abgestattet. Dieses uralte Holzschiff an sich ist schon sehr beeindruckend, aber die Schweden haben auch verstanden, wie man ein sehr spannendes und interessantes Museum darum herum baut, in dem es Unmengen zu erleben gibt. Nachdem wir also zwei Stunden im Halbdunkel des Museums verbracht hatten, ging es wieder hinaus unter den freien Himmel, an dem sich die morgendlichen Wolken verzogen hatten und wir den Rest des Tages von der Sonne begleitet wurden. Mit knurrenden Mägen ging es nun zunächst zum Kulturhuset zu einem kleinen Lunch und danach auf mein Bestreben hin zum Wohnhaus von Astrid Lindgren. Zwar war nicht mehr zu sehen als eine Plakette an der Tür, dafür war der Park vor dem Haus gemütlich und so haben wir uns ein wenig gesonnt und Eis gegessen. Danach haben sich die beiden Jungs auch schon wieder nach Uppsala verabschiedet und wir drei sind nach einer kleinen Zwischenmahlzeit im schwedischen Pendant zu McDonalds Max zum Freilichtmuseum- & Tierpark Skansen gefahren. Spontan dazu entschieden entwickelte sich diese Idee für uns alle zum Höhepunkt der Stockholmfahrt. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit war der Park schon fast menschenleer und wir konnten eine Reihe nordischer Tierarten hautnah erleben, von Rentieren, Elchen, Robben und Wildschweinen bis zu den Füchsen, Wölfen und Bären. Dazu gab es dann jede Menge romantischer alter schwedischer Häuser zu bewundern, gepaart mit einer untergehenden Sonne und einem tollen Ausblick über Stockholm. Sehr zufrieden mit diesem Tag sind wir dann wieder in ein Restaurant eingekehrt und haben unser zweites kulinarisches Erlebnis gemacht - Rentier-Ragout. An diesem Abend haben wir es nicht einmal mehr zum Spielen geschafft, sondern sind im Hostel direkt in die Betten gefallen. Der nächste Morgen war im Gegensatz zu den vergangenen beiden Tagen bewölkt und regnerisch. Nach einem kleinen Frühstück in einem Kino-Café sind wir daher ins Stadtmuseum gegangen und haben uns eine Ausstellung über Filme angesehen, welche in Stockholm spielen. Auch dieses Museum war wieder gut gemacht, die Schweden haben es einfach raus! ;-) Danach blieb nicht mehr sehr viel Zeit, so dass wir uns nach der erfolglosen Suche nach dem Fotografie-Museum wieder zum Bahnhof begeben haben von wo aus es dann wieder mit einem sehr überfüllten Zug zurück in Richtung Oslo ging. Auf dieser Fahrt wurde weniger geschlafen, dafür mehr gelesen und gespielt, so dass wir alle drei in sehr guter Laune wieder unserer Heimatstadt Oslo angekommen sind. Leider wird einem dabei immer wieder schmerzlich bewusst, dass das Jahr schon bald vorbei ist und wir uns alle bald voneinander verabschieden müssen. Aber das wird vorerst wieder verdrängt, denn nächstes Wochenende kommt das Wochenende, auf das wir uns alle schon seit unserer Ankunft im August gefreut haben – der Nationalfeiertag. Und dazu kommt noch das Grand-Prix-Finale und ich bekomme Besuch, es geht also ereignisreich weiter.

Keine Kommentare: