Dienstag, 30. Juni 2009

Ende gut, alles gut!


So, jetzt ist es geschehen, Erasmus hat sich verabschiedet und ist wieder davongezogen, mein Jahr in Oslo ist vorbei und ich sitze wieder an meinem alten Schreibtisch bei meinen Eltern in Deutschland und schreibe den letzten Eintrag für diesen Blog. Es war ein tolles Jahr und ich werde vieles wahnsinnig vermissen, aber zunächst noch der Bericht über meine letzten Tage in Oslo. Wie fast immer in diesem Jahr hatten wir großes Glück mit dem Wetter und haben eine sonnige und heiße letzte Woche in Norwegen gehabt, als ob sich das Land zum Abschied extra nochmal von seiner besten Seite gezeigt hätte. Mittwoch bin ich deswegen mit Inga an den Sognsvann gegangen und habe mich mit ihr dort in die Sonne gelegt und wir sind im See geschwommen. So ein See fehlt Bonn, es gibt nichts besseres als sich in einem kühlen Süßwassersee zu erfrischen. Ein wenig gerötet von der Sonne sind wir am Abend dann in die Stadt gegangen und sind über den etwas klein geratenen Info-Park auf dem Rathausplatz gewandert. Zu der Zeit waren nämlich gerade „skeive dager“ in Oslo, die „schiefen Tage / queer days“ welche mit dem CSD in Deutschland vergleichbar sind. Danach haben wir uns mit Vegard, Stian und Kristian getroffen und haben uns „engler og demoner“ im Kino angesehen, die Verfilmung des Buches Iluminati. Das Buch hatte in den Tagen zuvor auf norwegisch gelesen und war deswegen ein wenig enttäuscht von dem Film, aber das ist ja immer so. Donnerstag habe ich dann fast den gesamten Tag am Sognsvann verbracht, von mittags 12 bis abends 8. Ich habe dabei auch mein Vorhaben vom Vortag wahr gemacht und habe den See einmal quer durchschwommen – einfach wunderbar! Zunächst waren nur Vegard und Inga dabei, und wir haben gegrillt, gelesen und faul rum gelegen. Später kam dann noch ein Bekannter von Vegard und Kristian dazu. Kristian ist auch ein sehr netter Kerl, ein Freund von Vegard und Stian der das erste Jahr mit Vegard studiert hat dann aber zum Studieren nach Ungarn gegangen ist und nun zum Sommer wieder zu Besuch kam. Nachdem bis auf Kristian alle gegangen waren kam am Schluss noch Stian an den See und wir haben zu dritt noch einmal gegrillt und ein wenig über einen Schweden gelacht, der fleißig in den Eingangsgrill pustete. Als Kristian zum Schluss den Grill mit Wasser löschte und danach merkte, dass das Wasser den Hügel hinab auf die ausgebreiteten Handtücher einer Familie zufloss, hat er interessante Joga-Übungen hingelegt, um das Wasser am Weiterfließen zu hindern, sehr amüsant. Nach den 8 Stunden am See war meine Haut ein wenig gestresst, so dass ich am nächsten Tag auf ein Sonnenbad verzichtet habe und stattdessen alles Organisatorische erledigt habe, was noch anstand. Habe mich im Folkeregister wieder abgemeldet und meine Aufenthaltsgenemigung wieder bei der Polizei abgegeben (aber nicht ohne vorher noch ein Foto davon zu machen!). Danach habe ich mich mit Vegard im Schlosspark getroffen und ihm beim Sonnen zugesehen, während ich im Schatten einen leckeren Hamburger verdrückt habe. Zur gleichen Zeit war auch eine Musikparade der Schlossgarde auf dem Schlossplatz, so dass wir beim Faulenzen auch noch ein wenig musikalische Untermalung hatten. Zum Abschluss des Tages bin ich dann am Abend noch ein letztes Mal zu meiner Familie in Oslo gefahren und wir haben zusammen gegrillt (diesmal leckeres Lammfleisch anstatt der ewigen Würstchen) und haben Krocket gespielt, bei dem nach meiner schlechten ersten Leistung doch tatsächlich einmal gewonnen habe und einmal zweiter geworden bin! Zum Abschied hat mir dann meine Tante auch noch zwei norwegische Bücher geschenkt, welche ihre Tante geschrieben hat, und eine CD der bekannten samischen Sängerin Mari Boine, welche ich mir gerade anhöre. Samstag war dann ein langer Tag. Ich bin früh aufgestanden um mit meinen letzten Back-Utensilien meinen letzten Rotwein-Kuchen zu backen. An diesem Tag wollte Vegards Mitbewohnerin Maria ausziehen und dafür Stian in die Wohnung einziehen und ich habe mich natürlich fürs Helfen gemeldet. Da ich all die Dinge, welche ich über das Jahr bei IKEA angeschafft hatte, von Teppich und Gardinen über Teller, Tassen und Teller bis zu meinen geliebten Pflanzen, leider nicht wieder mit nach Deutschland nehmen konnte, habe ich alles in zwei große IKEA-Taschen gepackt und mich dann mit diesen und dem Kuchen auf den Weg zu Vegard gemacht. Das war aber leichter gesagt als getan, weil die Taschen unverschämt viel wogen und ich immer nur 25 Meter gehen konnte, bevor ich wieder eine Pause machen musste. Zum Glück hat mich dann aber Vegard von der Bahn abgeholt, so dass dieser Weg einfacher zu bewältigen war. Dann hießen es mit anpacken und Kisten, Schränke, Fernseher und Betten hinauf und hinunter schleppen. Vegard hat sich auch sehr über meine kleine Gabe zum Einzug gefreut, hat die beiden Taschen langsam und genussvoll ausgepackt und alles direkt in die Wohnung integriert. Ich bin mal gespannt, wie viel davon noch da ist, wenn ich das nächste Mal zu Besuch bin. Den Umzug halb abgeschlossen sind wir dann zu viert, Vegard, Stian, Kristian und ich auf die Karl Johan gegangen und haben uns die Abschlussparade der „skeive dager“ angesehen, welche im Vergleich zum CSD in Köln aber unglaublich klein und sehr gesittet ausfiel. Mit knurrendem Magen bin ich danach noch mit Stian und Kristian zu TGIFridays gegangen und habe dort meine letzten Kronen für einen leckeren Burger ausgegeben. Zurück in der Wohnung haben wir dann versucht das Wohnzimmer halbwegs ordentlich hinzubekommen, damit wir dort am Abend eine kleine Einweihungsfeier abhalten konnten, zu der Inga dann auch erschienen ist. Zusammen haben wir meinen Rotwein-Kuchen verspeist, Ingas restlichen Alkohol vernichtet, alberne Fotos gemacht und Trink-Spiele gespielt – alles in allem ein sehr gelungener Abend. Danach hat sich Inga wieder auf den Heimweg gemacht, während wir vier Jungs noch zu einer Schwulen-Party ins Rockefeller gegangen sind, bei der Vegard und ich sogar bis zum Ende geblieben sind, auch wenn ich die letzte Stunde nur noch an einem Tisch gestanden habe, weil meine Beine nicht mehr zum Tanzen zu bewegen waren. Als wir die Party verließen war es draußen bereits wieder taghell und ich musste noch ein wenig auf Vegard warten, der überall noch mit Bekannten reden musste! * Nachdem ich dann um halb 5 endlich im Bett war, ich habe diese Nacht bei Vegard in der WG gepennt, sind meine Augen unmittelbar zugefallen, auch wenn es in dem Zimmer mindestens 30 Grad war (die letzten Tage in Oslo waren so warm, dass die Temperatur nachts nicht unter 20 Grad fiel, sogenannte Tropennächte).
Am nächsten Tag wurde ich dann auch viel zu früh von den anderen geweckt, aber für den Sonntag wollte wir alle zusammen noch einmal auf eine der Inseln im Oslofjord fahren und im Meerwasser schwimmen. Der Tag auf der Lindøya war dann auch sehr schön, wir sind von dem Steg ins Meerwasser gesprungen (Vegard hat dabei beeindruckende Salti vorgeführt), haben uns auf dem Rücken liegend auf dem Wasser treiben lassen und ich habe meine letzten norwegischen Grillwürstchen verspeist. Danach hieß aber leider schon Abschied von Stian und Kristian nehmen, welche am nächsten Tag arbeiten mussten, aber wir haben das ganze kurz und schmerzlos gestaltet. Nachdem ich mir dann bei Vegard noch einmal das Salz von der Haut geduscht hatte, habe ich mich mit Inga und ihren Eltern bei Aker brygge getroffen und wurde freundlicherweise von ihnen zum Essen eingeladen. Dies war wohl das nobelste Restaurant, in dem ich in diesem Jahr gewesen bin und die schöne Aussicht über den Hafen, die warme Luft und mein leckerer Caesar-Salat machten diesen Abend zu einem gelungenen Abschluss für unser Jahr in Norwegen. Nachdem ich mit Inga dann das letzte Mal mit der T-Bane nach Sogn gefahren bin, hieß es den Rest zusammen zu packen und mein Zimmer und die Wohnung zu putzen, bevor ich mich dann in meinem nackten Zimmer ein letztes Mal ins Bett gelegt habe und dabei schon ein wenig wehmütig wurde. Mein letzter Tag in Norwegen begann dann früh und nachdem ich den letzten Blick in das Zimmer geworfen habe, in dem ich gute 11 Monate gewohnt habe, habe ich meine Koffer bei Inga untergestellt und bin hinauf nach Kringsjå gegangen um meine Schlüssel abzugeben. Zusammen mit Inga habe ich dann meine Koffer zu Vegard in die Stadt gebracht.
Inga hat sich dann wieder mit ihren Eltern getroffen, während ich mit Vegard in der Wohnung gesessen habe und wir noch einmal über alles gesprochen haben, was wir in dem Jahr so zusammen erlebt haben. Später kam dann Inga wieder und wir haben zusammen ein leckeres Mittagessen gezaubert und Vegard hat uns beiden jeweils ein Buch zum Abschied geschenkt. Nachdem wir dann noch ein wenig gequatscht hatten musste ich leider schon bald zum Bahnhof wo ich mich dann von Vegard verabschieden musste. Das war schon sehr traurig, aber unser nächsten Treffen liegt ja nicht in allzu weiter Ferne. Dann habe ich mit mit meinen Koffern bepackt in den Zug gesetzt, bin zum Flughafen gefahren und konnte aus dem Flugzeug noch einmal einen letzten Blick auf Oslo schmeißen und habe sogar mein Studentenheim erkennen können. Am Düsseldorfer Flughafen kamen meine Koffer ausnahmsweise mal als eine der ersten aufs Band, so dass ich nicht lange warten musste, bis ich meine Eltern, meine Schwester und Alex wieder in die Arme schließen konnte, welche am Flughafen ein kleines Empfangskomitee mit Luftballons und Windmühle gebildet hatten. Glücklich und traurig zugleich haben wir dann am Flughafen zusammen noch eine Pizza gegessen, bevor ich mit meinen Eltern wieder nach Waldbröl gefahren bin. Am Abend gab es dann noch einen kleinen Sektumtrunk mit meinen Eltern auf der Terrasse, bevor ich mich in mein altes Bett gelegt und seeeehr lange geschlafen habe. Heute morgen sitze ich jetzt an meinem Schreibtisch und merke, dass ich endgültig wieder in Deutschland angekommen bin und mein Jahr in Norwegen vorbei ist. Trotz mancher Steine, die uns in den Weg gelegt wurde, haben Inga und ich dieses Jahr doch sehr gut gemeistert und ich würde mich immer wieder dafür entscheiden. Wir haben so viele tolle Sachen erlebt und so nette Freunde gefunden, die ich auf jeden Fall wieder treffen werde! Oslo hat sich in diesem Jahr von seiner besten Seite gezeigt, uns mit dem besten Winter seit langem erfreut und uns zum Schluss noch einen selten guten Sommer beschert. Zu allem Überfluss hat Norwegen dann auch noch im Eurovision Song Contest gewonnen, so dass ich nächstes Jahr wieder nach Oslo reisen werde, um dort das Finale anzusehen. Ich werde dieses Jahr sicher immer in guter Erinnerung behalten aber ich freue mich auch auf all die schönen Dinge, die jetzt folgen. Ich freue mich auf all meine Freunde, welche ich solange nicht mehr gesehen habe, auf eine tolle Reise nach Teneriffa und auf meine neue Wohnung in Bonn. Deswegen ziehe ich hiermit einen Schlussstrich unter mein Jahr in Norwegen, vielen Dank für diese schöne Zeit lieber Erasmus!

Alt har en ende, bare pølser har to!

Ende gut, alles gut!

1 Kommentar:

Vegard hat gesagt…

Kommer til å savne deg!